Jeder kann Golf spielen


"Jeder kann Golf spielen", lautet das Motto der Golfakademie Paderborn - auch mit körperlichem Handicap. Ein Selbstversuch im schönen Altmühltal, bei dem manches anders und vieles besser läuft.

An der Theke des Tennisclubs hört man immer häufiger das Wort Golf. Ein paar alte Kameraden sind schon ganz abgewandert. Nur die ewige Nummer eins beharrt darauf, sich mit Golf erst dann zu beschäftigen, wenn Tennis gar nicht mehr geht. Aber vielleicht hat er es schon einmal heimlich probiert.

Wir haben es jedenfalls schon mal versucht, allerdings vergeblich. Der ansonsten sehr nette Golflehrer bestand auf einer einzig und allein erlaubten Griffhaltung. Doch genau die, ließ am linken Arm, der nach einem komplizierten Bruch mit Titan verstärkt ist, nach wenigen Abschlagsversuchen die Finger steif werden. Mit so einem körperlichen Handicap kommt man nie zu einem unerläßlichen Golfer-Handicap, dachten wir. Aber dann hörten wir von den, speziell auf solche Fälle spezialisierten, Experten der Golfakademie Paderborn. Ob neue Hüften, empfindlicher Rücken oder sonstige Probleme: "Jeder kann Golf spielen" unter richtiger Anleitung. Also dann, der letzte Versuch zur Platzreife!

Die Anlage Altmühlgolf Beilngries GmbH in Beilngries, am Rande des landschaftlich reizvollen Altmühltals, mit Ihrem Blick auf Schloß Hirschberg, liegt in einer Umgebung, in der man Mühe hat, Golf nicht auf Anhieb herrlich zu finden. Das erste Treffen mit Golflehrer Dieter Lang macht Mut. Er kennt die Zielsetzung der Paderborner Golfakademie und arbeitet in ähnlicher Mission mit der TU München zusammen. Auch Behinderten versucht er mit viel Geduld Golf beizubringen.

Und die Sache mit dem linken Arm? "Wo steht denn geschrieben, dass man den Schläger nicht auch anders halten darf?", lautet die Antwort. Der in den USA, wo Golf wirklich lockerer Volksport ist, ausgebildete ehemalige Tennislehrer hat den deutschen Ableger der World Golf Teachers Federation gegründet. Heute bildet er auch international Golflehrer aus. Er versuche, "einen anderen Weg des Unterrichtens" zu gehen, um Golf auf die leichte Art zu vermitteln. Seine Philosophie des "Mach doch mal was anderes" deckt sich allerdings nicht immer mit der so mancher traditioneller Kollegen.

Golf spielt man mit der Seele, nicht mit dem Muskel, sagt Trainer Dieter Lang und lehrt Golf als Spiel mit Variationen.

"Sie bekommen keinen Muskelkater, sonst habe ich was falsch gemacht", verspricht Lang. Golf spiele man mit der Seele, nicht mit dem Muskel. Er macht mit den Anfängern von Beginn an kleine Spielchen: Abschlagen, pitchen, putten. Eigenerfahrung sei das Wichigste, das Dosieren, das Gefühl für den kleinen Ball, das Aufbauen der Motivation. "Was hat es für einen Sinn, den Ball 200 Meter weit zu schlagen und ihn dann nicht mehr zu finden? 50 bis 60 Meter genügen erst einmal. Also nicht draufhauen wie ein Schmied!"

Der Anfänger mit dem lädierten Arm jedenfalls ist froh, nicht gleich endlos mechanisch Abschläge üben zu müssen. Zwei Bedingungen seien letztlich zu erfüllen: "Den Ball fliegen lassen und den Ball rollen lassen". Das ist natürlich gar nicht so einfach. Aber man kann es nach dem Unterricht auf dem Kurzplatz ausführlich üben, den jeder auch ohne Platzreife benutzen darf. Und irgendwann bringt man verwundert die Bälle tatsächlich halbwegs manierlich fliegend und rollend aufs Grün und ins Loch.

Der Platzreifekurs umfasst 25 Einheitenzu je 25 Minuten. Regelkunde und Etikette mitsamt Theorieprüfung gehören dazu. Dabei geht es nicht darum, ob man auf dem Fairway eine karierte Hose tragen muss, sondern um das Verhalten und die Rücksichtnahme auf andere Spieler. Man muss wissen, was passiert, wennn man den Ball in den Wassergraben schlägt, und wie man sich an Hindernissen und Hemmnissen verhält. Wer zum ersten Mal auf einer 18-Loch Anlage steht, kommt sich ohne Regelkenntnisse reichlich verloren vor.

Ein richtiger Golfer ist man am Ende trotz DGV-Platzreife-Urkunde natürlich noch nicht. Aber der Bann ist gebrochen. Verschmitzt wie ein kleiner Junge sitzt man abends auf der Clubhausterrasse mit Blick auf Schloss Hirschberg. Der Ehrgeiz ist da, demnächst so gut zu werden, wie jene eindrucksvoll abschlagende Dame, die Lang als seine ehemalige Schülerin vorstellt. Sie ist 75 Jahre alt, hat vor zehn Jahren angefangen und vorher nie Sport getrieben. Das wird ein nicht mehr ganz junger Tennisspieler ja wohl auch noch schaffen.

Klaus Thiele

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